Gegen Fremdenfeindlichkeit

Diese Promis setzen ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit. Unter anderem auf dem Foto zu sehen Carlo von Tiedemann, Gunter Gabriel, Micaela Schäfer und Jörg Pilawa. Foto: FoTe-Press

(mr). Vor dem Hintergrund dramatisch steigender Flüchtlingszahlen und gleichzeitig zunehmender Diffamierungen von Hilfesuchenden, vor allem auch in sozialen Netzwerken, wurde die Aktion „Stimmen des Nordens – gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus“ ins Leben gerufen. Bislang 75 prominente Persönlichkeiten aus Politik, Kirche, Unterhaltung und Kultur machen ganz deutlich mittels Videobotschaft deutlich, dass es in Deutschland keinen Platz für Fremdenhass geben darf. Mit der Aktion „Stimmen des Nordens“ wehren sie sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Zu den 75 Beteiligten zählen die Sänger Udo Lindenberg und Roger Cicero, die Ministerpräsidenten Torsten Albig (Schleswig-Holstein), Stephan Weil (Niedersachsen) und Erwin Sellering (Mecklenburg-Vorpommern), sowie Jörg Pilawa und Guido Cantz. Ihre Videos sind auf der Internetseite des Projekts zu sehen. (www.stimmen-des-nordens.de) Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz ist übrigens der bislang Einzige aus den vier nördlichsten Bundesländern, der sich nicht in der Lage sah, eine Videobotschaft zu produzieren. „Wir haben mehrfach angefragt“, erklärt Initiator Max-Fabian Wolff-Jürgens. „Aber wir haben lediglich als Antwort bekommen, dass Olaf Scholz sich schriftlich zu dem Thema äußern könne. Das haben wir dankend abgelehnt“, so Wolff-Jürgens.

„Keiner verlasse sein Land freiwillig“, sagte Moderator Jörg Pilawa bei der Präsentation. „Wenn Menschen, die so viel in ihrer Heimat aufgegeben und sich Gefahren ausgesetzt hätten hier nicht willkommen seien, beschämt es mich nicht nur, sondern das macht mich so was von wütend. Dagegen muss man die Stimme erheben“, erläutert Pilawa. Bei seinen zahlreichen Afrika-Reisen habe er stets eine herzliche Gastfreundschaft erlebt, so der TV-Moderator weiter. Ziel der Aktion ist es, dass möglichst viele Menschen – auch Nicht-Prominente – ihre Stimme für Weltoffenheit und Toleranz erheben. Jeder Einzelne kann ab sofort ein Statement als Video-Selfie per Whatsapp oder per E-Mail an die Seite senden oder auch auf Facebook teilen. Dabei könne es sich um Argumente oder persönliche Erlebnisse handeln, sagte Initiator Max-Fabian Wolff-Jürgens. „Egal ob gesprochen, gesungen oder gerappt, sachlich oder ärgerlich, poetisch oder klare Kante.“ Wichtig sei, dass viele spontan und engagiert mitmachen. Auf die Frage, warum Moderator und NDR-Urgestein Carlo von Tiedemann diese Aktion unterstützt, antwortete der 71-Jährige: „Die Flüchtlinge, die derzeit nach DandysDeutschland kommen, hätten unvorstellbares Grauen erlebt. In ihrem Land herrscht Krieg, das sagt doch alles aus!“

Die „Dandys“ (Foto links) haben eigens einen Song für die Aktion komponiert.

Die Videos werden auf der Internetseite, bei Facebook und im YouTube-Kanal zu sehen sein. Um Missbrauch zu verhindern, sollen sie aber vorher geprüft werden. Wer mitmachen möchte, kann sein Video hochladen: www.stimmen-des-nordens.de.

Gunter Gabriel Gunter Gabriel Micaela Schäfer

Von links: Gunter Gabriel und Micaela Schäfer. Fotos: FoTe-Press

Micaela Schäfer Dandys

Links: Micaela Schäfer. Auf dem Foto rechts sind die „Dandys“, die einen eigenen Song für die Aktion komponiert haben. 


Eltern fordern: Kinderarzt für Rothenburgsort

(mr). „Wenn mein sechsjähriger Sohn krank ist, fahre ich immer nach Altona zu einem Kinderarzt“, sagt Christina Siggelkow. Die 47-Jährige lebt im Stadtteil Rothenburgsort. Dort allerdings gibt es keinen Kinderarzt – sehr zum Leidwesen der dort lebenden Eltern. „Der nächst gelegene Kinderarzt ist im Droopweg in Hamm. Aber mit mehrmaligem Umsteigen brauche ich fast eine halbe Stunde. Dann kann ich auch nach Altona fahren“, sagt Siggelkow. Für viele Rothenburgsorter Eltern sind neben der Fahrzeit auch die Kosten ein Faktor für Verärgerung: Der Anteil der Hamburger, die Sozialhilfe empfangen, ist in Rothenburgsort und Billbrook am höchsten, wie es aus einem Bericht des Statistikamts Nord hervor geht.

Auch die bislang in dem Stadtteil niedergelassenen Allgemeinärzte bekommen die Problematik mit. „Seit 1993 bin ich in Rothenburgsort tätig. Viele Familien haben drei oder vier Kinder. Ich merke schon seit einigen Jahren, dass mehr Kinder zu mir in die Praxis kommen“, sagt Allgemeinmedizinerin Andrea Ibing, die zuvor im Altonaer Kinderkrankenhaus gearbeitet hat. „Mehr Kinder, mehr Arbeit – aber wir bekommen nicht mehr Ärzte“, bedauert die 57-Jährige. Vor kurzem wurde eine Sonderzulassung für einen Kinderarzt bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung beantragt: ohne Erfolg. Der Zulassungsausschuss, der als eigenständiges Gremium paritätisch besetzt mit Vertretern der Krankenkassen und Ärzten über die Sonderbedarfszulassung entscheidet, gab kein grünes Licht für einen Kinderarzt in Rothenburgsort.

„In Hamburg ist schon eine deutlich dichtere Mindestversorgung als andernorts gewährleistet.
Eine gleichmäßig dichte Versorgung über diesen Mindestbedarf hinaus kann mit den Vorgaben des SGB V nicht erreicht werden“, teilt Melanie Vollmert, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg mit und ergänzt: „In Rothenburgsort war kein Sonderbedarf zu gewähren. Umliegende Kinderärzte, nominell aber in anderen Stadtteilen, haben darüber hinaus ausreichende freie Kapazitäten gemeldet. Das mag im Zulassungsausschuss Kinderarztdie ausschlaggebende Rolle gespielt haben.“

Diese vier Mütter – stellvertretend für viele Eltern aus Rothenburgsort – sind sauer: sie müssen lange Wege zum nächsten Kinderarzt zurücklegen. Foto: FoTe-Press