Vor Wecam ausgezogen und erpresst

Vorallem Männer werden im Chat meistens reingelegt: vor ihrer Webcam ziehen sie sich komplett aus und werden später erpresst. Symbolfoto: FoTe-Press

(mr). Viele junge Männer möchten schlicht und einfach Frauen im Internet kennenlernen. Sie chatten, tauschen Bilder aus, starten ihre Webcams und werden Opfer von Kriminellen. Mit Nacktbildern und -videos werden sie schließlich um viel Geld erpresst.

Immer öfter kommt es in ganz Deutschland (auch bei uns in Hamburg) zu Anzeigen bei der Polizei, in denen es um Erpressung mit kompromittierenden Bildern gekommen war. Auch in Norddeutschland häufen sich derart gelagerte Fälle. Opfer waren zumeist junge Männer, die auf Partnerportalen im Internet Frauen kennen lernen wollten. Dabei kommunizierten die Männer mittels Chats mit den Frauen. Die Chats begannen zunächst harmlos mit Fragen nach dem Alter, Wohnort, Beruf. Nach einiger Zeit wurde zu sexuellen Themen gewechselt. Parallel dazu wurde ein Live-Videobild der Frauen gesendet, allerdings ohne Sprachübertragung. Der Live-Videochat zeigte die Frauen entweder leicht bekleidet oder komplett nackt.  Im Laufe des Gesprächs forderten die vermeintlichen Frauen die Männer dazu auf,  sich ebenfalls vor der Webcam auszuziehen und sexuelle Handlungen an sich zu vollziehen. Was die Männer nicht wussten: Bei ihren Handlungen wurden sie die gesamte Zeit gefilmt. Zudem zeigten zeigten die Kriminellen von sich selbst keine Live-Bilder, sondern ließen früher aufgezeichnete Videos von jungen, attraktiven Frauen abspielen – es wurde lediglich der Eindruck eines Live-Chats erweckt. Plötzlich brach der Videochat zusammen, die Frauen drängten darauf, die Unterhaltung auf Facebook fortsetzen.

Als die Männer auf den Vorschlag eingingen und die Frauen in ihren Facebook-Freundeslisten aufnahmen, hatten die Täter leichtes Spiel, die gesamte Freundesliste ihrer Opfer einzusehen. Nun wechselte der Umgangston: die Täter konfrontierten die Männer mit den Nacktbildern und -videos und forderten mehrere Hundert Euro. Diese sollten die Männer entweder auf ein ausländisches Konto überweisen oder die vermeindlichen Frauen würden das kompromittierende Bild- oder Videomaterial auf Facebook veröffentlichen. Mehrfach kam es in den vergangenen Monaten zu solchen Erpressungen. 500 Euro oder mehr sollten per „Western Union“ an ein Konto beispielsweise in Marokko überwiesen werden. Kamen die Männer der Aufforderung nicht nach, wurde damit gedroht, die Fotos oder Nacktvideos bei Youtube, My Video oder Facebook zu veröffentlichen. Hatte jemand die Zahlung verweigert, so wurden tatsächlich mehrfach Videos bei Youtube eingestellt. Durch den Betreiber wurden diese Videos allerdings wieder gelöscht.

Zahlreiche Anzeigen seien bei der Polizei gestellt worden. Sie warnt eindringlich davor, sich zu sorglos im Internet zu bewegen und appeliert, keine Intimitäten mit Unbekannten auszutauschen. Es sollten auch niemals persönliche Daten wie Wohnort, Klarname und Handynummer einfach an Unbekannte weitergeben werden. Ein weiterer Tipp: zeigen Sie sich bei erotischen Chats niemals mit Gesicht.


Vandalismus an Wahlplakaten: 179 Strafanzeigen bei der Polizei

(mr). Die Bürgerschaftswahl (15. Februar 2015) in Hamburg ist vorbei, aber die Polizei ermittelt weiter: Wegen der Zerstörung oder sogar kompletten Diebstahls von etwa 1.500 Wahlplakaten, die anlässlich der Wahl im gesamten Stadtgebiet von den einzelnen Parteien aufgestellt waren. Insgesamt sind 179 Stafanzeigen wegen Sachbeschädigung oder Diebstahl eingegangen, bestätigte ein Polizeisprecher. Polizeibeamte ermittelten aber auch von sich, wenn sie zerstörte oder bemalte Wahlplakate feststellten. Hauptsächlich betroffen vom Vandalismus seien Plakate der DVU und der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD). Jörn Kruse, Spitzenkandidat der AfD, nannte bei einer Pressekonferenz in Berlin eine weit höhere Zahl. Demzufolge hätten Linksradikale etwa 15.000 Plakate seiner Partei in Hamburg zerstört oder gestohlen.

Die Aufklärungsrate ist in den Fällen von zerstörten oder gestohlenen Plakaten allerdings ungewiss. Nach Polizeiangaben sind einige Vandalen auf frischer Tat ertappt und vorläufig festgenommen worden – ihnen drohen Geldstrafen oder sogar bis zu zwei Jahre Haft wegen Sachbeschädigung. Ob aber auch Täter im nachhinein ermittelt werden können, ist eher schwierig. Auch bei künftigen Wahlen (Landtags- und Bundestagswahlen) muss damit gerechnet werden, dass Wahlplakate beschädigt werden. Die Polizei will nach eigenen Angaben zivile Beamte einsetzen, um weitere Straftäter zu Wahlplakateermitteln und bestenfalls bei ihrer Tat erwischen.

Wie hier im Stadtteil Hamm wurden in ganz Hamburg mehrere Wahlplakate zerstört, bemalt und komplett gestohlen. Die Hamburger Polizei ermittelt in mindestens 179 gemeldeten Fällen. Foto: FoTe-Press


16.342 Kameras wachen über Hamburg

(mr). Eine Kleine Anfrage der FDP an den Hamburger Senat vom 15. Januar Kameras in Hamburg2015 bringt die Zahl ans Tageslicht: 16.342 Überwachungskameras sind in Hamburg installiert. Sie filmen die Bürger im öffentlichen und halböffentlichen Raum. In der Zahl nicht enthalten sind Kameras, die sich auf Privatgrundstücken befinden, sowie Webcams. Damit hat die öffentliche Videoüberwachung in der Hansestadt ein bislang nicht vermutetes Ausmaß angenommen, denn bislang wurde von etwa 10.000 Überwachungsanlagen ausgegangen.

Die Anfrage kam vom FDP-Bürgeschaftsabgeordnete Finn Ole Ritter. „Das ist Kamerawahn“, kommentiert Ritter auf die Senatsantwort. Von den über 16.000 Kameras befinden sich insgesamt 11.300 im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs. Im Inneren von U- und S-Bahnen und Bussen sind es etwa 9.300 Kameras. Hinzu kommen laut Senatsantwort nochmals etwa 2.000 Kameras, die im Bereich rund um die Bahnhöfe aufgebaut sind. Christoph   Kreienbaum, Sprecher der Hamburger Hochbahn, begründet den Einsatz der vielen Kameras mit dem Wunsch der Fahrgäste nach Sicherheit. Auch die S-Bahn erklärt den Kameraeinsatz. Sie führe Umfragen durch, wonach die meisten Fahrgäste mit den Videokontrollen einverstanden seien. Weitere Überwachungsanlagen befinden sich an Plätzen, die für jedermann ohne Weiteres zugänglich sind: an Park and Ride-Parkplätzen (519), am Flughafen (492 plus 248 weitere in abgesperrten Bereichen), in städtischen Schulen (350), sowie im Straßenverkehr zwecks Verkehrskontrollen (313). Eine Videoüberwachung findet der Senatsantwort zufolge auch in städtischen Schwimmbädern (119), in Kitas (30). In Gerichtsgebäuden (16) und an der Universität (20) statt. Zudem seien etwa 2.500 Kameras in oder an der Außenfassade von öffentlichen Gebäuden und auf städtischen Grundstücken mit eingeschränktem Zutritt installiert. So seien beispielsweise sämtliche Polizeikommissariate überwacht. 709 Videoanlagen wachen in den Hamburger Justizanlagen. Und auch viele Wohnblöcke des Unternehmens Saga/GWG sind videoüberwacht: dort seien es 530 Kameras.

Je nach Objekt zeichnen die Geräte die Aufnahmen für einige Tage auf, andere Bilder liegen nur live vor. In allen Fällen, in denen Kameras in Arbeitsbereichen installiert sind, seien die Beschäftigten der Stadt darüber informiert, heißt es seitens des Senates. Bemerkenswert: etwa 1.000 Kameras (wie beispielsweise auf der Reeperbahn) sind derzeit nicht aktiv. Außerdem teilt der Senat mit, dass es sich bei 233 Kameras um Attrappen handelt, die keine Bilder liefern können – davon hängen 137 an Schulen.

Finn Ole Ritter moniert dabei die hohen Kosten für die Überwachungstechnik und Unterhaltung. „Jedes Jahr sind es in etwa 3,5 Millionen Euro, die der Steuerzahler für den Überwachungswahn jedes Jahr für neue Kameras und für dazugehörige Reparaturen bezahlt“, teilt Ritter mit. Dem dauerhaft angelegten Überwachungswahn hatten 2011 Gerichte rund um den Hansaplatz und auf der Reeperbahn einen Riegel vorgeschoben. Nach mehreren Klagen von Anwohnern entschieden die Richter, dass die Polizei Eingänge und Fenster von Privathäusern auf ihren Kameras in HamburgAufnahmen schwärzen muss. Weil dies den Kontrollbereich zu stark eingeschränkt hätte, bauten die Ermittler ihre Kameras größtenteils wieder ab. Bei den sechs durch die Polizei auf dem Heiligengeistfeld betriebenen Kameras erfolgt allerdings eine Schwarzschaltung („private masking“): sämtliche private Bereiche der Schausteller werden während des Hamburger Doms nicht erfasst.