Kinderarzt für Rothenburgsort?

Diese vier Mütter – stellvertretend für viele Eltern aus Rothenburgsort – sind sauer: sie müssen lange Wege zum nächsten Kinderarzt zurücklegen. Foto: FoTe-Press

(mr). „Wenn mein sechsjähriger Sohn krank ist, fahre ich immer nach Altona zu einem Kinderarzt“, sagt Christina Siggelkow. Die 47-Jährige lebt im Stadtteil Rothenburgsort. Dort allerdings gibt es keinen Kinderarzt – sehr zum Leidwesen der dort lebenden Eltern. „Der nächst gelegene Kinderarzt ist im Droopweg in Hamm. Aber mit mehrmaligem Umsteigen brauche ich fast eine halbe Stunde. Dann kann ich auch nach Altona fahren“, sagt Siggelkow. Für viele Rothenburgsorter Eltern sind neben der Fahrzeit auch die Kosten ein Faktor für Verärgerung: Der Anteil der Hamburger, die Sozialhilfe empfangen, ist in Rothenburgsort und Billbrook am höchsten, wie es aus einem Bericht des Statistikamts Nord hervor geht.

Auch die bislang in dem Stadtteil niedergelassenen Allgemeinärzte bekommen die Problematik mit. „Seit 1993 bin ich in Rothenburgsort tätig. Viele Familien haben drei oder vier Kinder. Ich merke schon seit einigen Jahren, dass mehr Kinder zu mir in die Praxis kommen“, sagt Allgemeinmedizinerin Andrea Ibing, die zuvor im Altonaer Kinderkrankenhaus gearbeitet hat. „Mehr Kinder, mehr Arbeit – aber wir bekommen nicht mehr Ärzte“, bedauert die 57-Jährige. Vor kurzem wurde eine Sonderzulassung für einen Kinderarzt bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung beantragt: ohne Erfolg. Der Zulassungsausschuss, der als eigenständiges Gremium paritätisch besetzt mit Vertretern der Krankenkassen und Ärzten über die Sonderbedarfszulassung entscheidet, gab kein grünes Licht für einen Kinderarzt in Rothenburgsort.

„In Hamburg ist schon eine deutlich dichtere Mindestversorgung als andernorts gewährleistet.
Eine gleichmäßig dichte Versorgung über diesen Mindestbedarf hinaus kann mit den Vorgaben des SGB V nicht erreicht werden“, teilt Melanie Vollmert, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg mit und ergänzt: „In Rothenburgsort war kein Sonderbedarf zu gewähren. Umliegende Kinderärzte, nominell aber in anderen Stadtteilen, haben darüber hinaus ausreichende freie Kapazitäten gemeldet. Das mag im Zulassungsausschuss die ausschlaggebende Rolle gespielt haben.“


Fehltritt eines Bereitschaftspolizisten – Staatsanwalt ermittelt

(np). Anlässlich der Demonstration am 1. Mai 2015 vom Bahnhof Altona Richtung Reeperbahn waren im Rahmen der Amtshilfe Beamte der Landespolizei Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin zur Unterstützung der Hamburger Kollegen in Hamburg im Einsatz. In einem Wohngebiet abseits der Route der 1. Mai Demo fuhr ein Passant, der mit der Demonstration nichts zu tun hatte, mit seinem Fahrrad die Schmarjestraße aus Richtung Schillerstraße entlang. In Höhe Schmarjestraße Ecke Biernatzkistraße stand ein Räumfahrzeug der Polizei mit der Kennung SH II im Kreuzungsbereich. Dahinter ein Wasserwerfer mit der Kennung SH II. Beide Fahrzeuge wollten aus der Biernatzkistraße in die Schmarjestraße einbiegen, konnten dies aber wegen zu eng geparkten Fahrzeugen links und rechts zunächst nicht durchführen. Ein Polizist stand am Straßenrand und half dem Fahrzeugführer des Räumpanzers bei der engen Kurve, wies ihn ein. Der Radfahrer fuhr nach eigenen Angaben auf der Straße, wurde aufgefordert schneller zu fahren – was aber wegen des Kopfsteinpflasters in diesem Bereich nicht ging – wechselte dann aber auf den Bürgersteig und blieb dort stehen.

Vom Bürgersteig machte der Hamburger Fotos von den Fahrzeugen der Polizei. „Dann kamen zwei mir unbekannte Fahrradfahrer ebenfalls aus der gleichen Richtung wie ich angefahren“, sagt Florian S. (Name geändert, ist der Redaktion bekannt) und ergänzt: „Ich hörte, wie der Polizist die beiden Radfahrer anbrüllte, sie sollen gefälligst schneller fahren“. Bedingt durch den Wechsel vom Kopfsteinpflaster auf Asphalt war es aber nicht möglich den Bereich mit einem Fahrrad im hohen Tempo zu passieren. Außerdem rollte der Räumpanzer langsam in die Mitte des Kreuzungsbereiches. „Als beide Radfahrer die Höhe des Polizisten erreicht haben und vorsichtig an den parkenden PKW und dem Räumpanzer vorbeifahren wollten, drehte der Polizist durch und übte Gewalt gegen beide Radfahrer aus, schob sie mit den Armen nach vorn. Es hätte durchaus zu einem Sturz kommen können, dies hat der Beamte leichtfertig in Kauf genommen“, sagt Florian S. Seine Vermutung: Der Polizist war offenbar so genervt von dem Manöver in dem Bereich und gefrustet, dass die Fahrzeuge nicht schneller um die Kurve kamen, dass er die Wut bei den beiden Radfahrern rausgelassen hat. Als Florian S. von diesem Vorfall Wind bekam, schwenkte er mit meiner Fotokamera vom Einsatzfahrzeug auf die Situation. Weitere Passanten, darunter eine ältere Frau mit Blumen in der Hand, wurden auf diese Situation aufmerksam und empörten sich ebenfalls über diese Art und Weise des Polizisten. Nach Meinung von Florian S. war das Verhalten weder verhältnismäßig noch überhaupt erforderlich, die beiden Radfahrer zu schubsen und nach vorn zu schieben. „Dies stellt in meinen Augen ganz klar eine Nötigung im Amt dar. Der Polizist hat hier völlig überreagiert“ sagt Florian S. verärgert.

Als sich die Lage etwas beruhigt hat, machte Florian S. weitere Fotos von den Fahrzeugen und auch von dem besagten Polizeibeamten. Er hatte seine Dienstnummer deutlich an der Brust seiner Dienstkleidung angebracht und somit konnte Florian S. zwecks Beweises Fotos machen. Er hatte weder Stift noch Notizblock dabei, so dass er der Einfachheit halber ihn samt Dienstnummer fotografisch festgehalten hat. Wutentbrannt soll dann der Polizist auf Florian S. angerannt gekommen sein, griff sich seine Kamera und hielt sie in etwa eine halbe Minute in seinem Arm. „Der sich sehr wichtig tuende Polizist sagte, ich dürfe ihn nicht fotografieren und brüllte mich an“, erklärt Florian S.. Daraufhin habe Florian S. ihm seinen Standpunkt klar gemacht, dass er sehr wohl den Einsatz und alles drum herum fotografieren darf. Florian S. hat nun Strafanzeige und Strafantrag gestellt, die Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft laufen derzeit. Unterdessen hat sich das Ministerium für Inneres und Bundesangelegenheiten des Landes Schleswig-Holstein bei Florian S. gemeldet – sieht keinen Handlungsbedarf einer Dienstaufsichtsbeschwerde. Die Innenbehörde sucht die Schuld sogar bei den beiden Fahrradfahrern: „aus hiesiger Sicht haben sich die beiden Fahrradfahrer durch ihr bewusstes oder unbewusstes Verhalten in Gefahr gebracht“, heißt es in einem Schreiben an Florian S. (Schreiben liegt der Redaktion vor). „Das Vorgehen des Beamten war in dieser Situation Übereifriger Polizist im Einsatz erforderlich und rechtlich legitimiert, um einerseits den Rangiervorgang der Sonderfahrzeuge zügig abzuschließen und andererseits zum Polizeikommissariat 21 (dort sollten die Fahrzeuge hinfahren, Anmerkung der Redaktion) zu verlegen“, heißt es weiter in dem Schreiben. „Ich habe nichts anderes erwartet“, sagt Florian S. und ergänzt: „Es ist doch klar, dass die Innenbehörde und die Kollegen unter sich voll und ganz hinter dem Beamten stehen.“

Anmerkung der Redaktion: Am 1. Mai 2015 wurden wieder Beamte der Polizei mit Böllern, Flaschen und Steinen beworfen, insgesamt bilanzierte die Polizei nach eigenen Angaben 34 verletzte Beamte. Und sicherlich ist es für die Polizisten nicht immer einfach, gut und böse zu unterscheiden, wenn an so einem Tag Hunderte von Leute unterwegs sind. Dennoch funktioniert ein vernünftiges Miteinander nur dann, wenn alle sich gegenseitig respektieren, höfliche Umgangsformen einhalten und nicht gegenseitig Gewalt provozieren. Tat es wirklich Not, die beiden Radfahrer mutwillig in Gefahr zu begeben? Leicht kann jemand vom Rad stürzen, wenn er plötzlich von hinten einen unerwarteten Ruck bekommt.

Kai PflaumeEs herrscht zudem der Irrglaube, man könne das reine Fotografieren von Personen verbieten. Verallgemeinert stimmt dies nicht. Es gibt kein Gesetz, dass das reine Fotografieren verbietet. Nur in Fällen, wo der Paragraf 201a greift, ist schon allein das Fotografieren unter Strafe gestellt. Der Paragraf betrifft die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Nur wenn die darin enthaltenen Voraussetzungen vorliegen, ist schon das reine Fotografieren verboten. Ob das auf den hier geschilderten Fall allerdings zutrifft, dürfte sehr in Frage gestellt sein. Wir haben hier ein paar Urteile zusammengestellt, die das Fotografieren von Polizisten im Einsatz thematisieren. In allen Fällen geht es sogar um eine Veröffentlichung von Fotos, die Polizisten betreffen. Florian S. machte die Fotos aber nur zur Beweissicherung wegen einer eventuellen Straftat im Amt eines Polizisten, nicht um sie hinterher zu veröffentlichen.

http://www.gesetze-im-internet.de/kunsturhg/__22.html

http://ra-kellotat.de/polizeieinsatz-fotografierverbot-rechtswidrig/

http://hoesmann.eu/bverwg-erlaubt-das-fotografieren-von-polizisten/


„Beim kleinsten Verdacht 110 wählen“

(mr). „Bei mir in der Straße lungerten mal vor einiger Zeit zwei junge Mäner Olivia Jonesherum. Das kam mir irgendwie verdächtig vor. Ich war mir allerdings nicht sicher, ob ich die Polizei rufen soll“, sagt Olivia Jones. Hamburgs schrillster Vogel und Ex-Dschungel-Bewohnerin ist das Gesicht eines Plakates, dass im Rahmen der Kampagne zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität der Polizei Hamburg ab sofort in der ganzen Stadt insgesamt 100 Mal aushängt. Olivia Jones ist es dabei ein Anliegen, die Polizei in ihrem Kampf gegen die Einbruchskriminalität Olivia Joneszu unterstützen. Die Bewohner der Hansestadt sollen mit dieser Kampagne sensibilisiert werden, schon bei kleinstem Verdacht einer möglicherweise bevorstehenden Einbruchstat die Polizei über den Notruf 110 zu alarmieren.“ Unser Foto links zeigt Olivia Jones mit ihrem Plakat in klein. Rechts hat Olivia Jones ihr Telefon in der Hand. Jones zögert keine Sekunde und ruft beim kleinsten Verdacht die Polizei an. Vorbildlich – genau so sollten es alle Hamburger machen.


„Tatort“-Star Mark Waschke dreht in Rothenburgsort

(mr). Aufmerksame Autofahrer der Bundesstraße 75, die Richtung Süden unterwegs sind, haben es sicher bemerkt: Am Brandshofer Deich, direkt vor den Neuen Elbbrücken, wird in diesen Tagen mächtig gedreht. Scheinwerfer sind vor dem historischen Brandshof aufgestellt, die Reginenstraße ist weitläufig abgesperrt. Grund: derzeit wird in Hamburg und Umgebung der Film “Refuge” produziert. Als Hauptdarsteller dabei: Mark Waschke (44, “Tatort”), sowie Neta Riskin (39), David Hamade (37) und Doraid Liddawi (32). In seinem neuen Film wirft Regisseur Eran Riklis (61) wieder einen Blick über den Zaun, der die Welten trennt. Doch diesmal kommt das Spiel der Identitäten im Gewand eines spannenden, erotischen Agententhrillers daher, in dem ausSpiel schnell Ernst, ja Krieg wird. “Refuge” verbindet die Intensität eines Kammerspiels mit den Elementen eines klassischen Spionagefilms, in dem plötzlich nichts mehr so ist, wie es zu sein scheint. Zum Inhalt: Um sich vor der Rache des brutalen Hisbollah Führers zu Dreharbeiten "Refuge"schützen, flieht Lisa Haddad (Golshifteh Farahani) mit Hilfe des Mossads und einer neuen Identität nach Hamburg. Ihr wird die Agentin Naomi (Neta
Riskin) zur Seite gestellt. Beide treffen zusammen in einem Safehouse, einem angeblich sicheren Appartement in Hamburg.
Gedreht wird noch bis Ende August in verschiedenen Stadtteilen Hamburgs. Der Film soll im ZDF zu sehen sein. Wann genau, steht nach Angaben der Filmproduktion Rivafilm noch nicht fest.

Schauspieler Mark Waschke mit Filmklappe in der Hand. Fotos: FoTe-Press

Dreharbeiten "Refuge" Dreharbeiten "Refuge" Dreharbeiten "Refuge"

Dreharbeiten für den Film „Refuge“ in Hamburg: Auf dem Foto ganz links ist Hauptdarstellerin Neta Riskin, daneben Regisseur Eran Riklis und auf dem Foto ganz rechts Schauspieler David Hamade zu sehen.